Erfolg 2016 in Groß Haßlow/Wittstock: Megastall vorerst gestoppt.

 

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Bild: Bürgerinitiative contra Industriehuhn

Stoppt den Megastall: Es gibt Erfolge im Kampf gegen die Massentierhaltung in Brandenburg. Die Bürgerinitiative “Wittstock contra Industriehuhn” konnte sich im November 2016 zusammen mit dem NABU Brandenburg zum fünften mal hintereinander vor Gericht gegen den Bau der Hähnchenmastanlage in Groß Haßlow/Wittstock durchsetzen. Das Verwaltungsgericht in Potsdam gab ihrer Klage Recht. Die zum Teil zum Konzern Rothkötter gehörende “Prignitzer Broilermast GmbH” will in der wertvollen Naturlandschaft nahe Wittstock eine Hähnchenmastanlage für 330.000 Tiere bauen. Durch gute Organisation und Kampagnenarbeit konnten Gegnerinnen und Gegner der Massentierhaltung den Bau vorerst stoppen.

Bereits 2012 hatte das Landesumweltamt Brandenburg (LfU) zunächst eine Genehmigung für die Anlage mit 380.000 Tieren erteilt. Zwischen Groß Haßlow und Schweinrich werden seit 2014 acht Ställe (2.000 m2) für je 41.000 Masthähnchen gebaut. Damit hätte der Betreiber bei 7-8 Mastgängen pro Jahr jeweils innerhalb von 35-42 Tagen jährlich gut 2,4 Millionen Tiere auf ein Schlachtgewicht von 1,6 KG gemästet. Die Betreiber entschieden sich jedoch, das Konzept der bereits genehmigten Anlage zu ändern und auf die sogenannte Langmast umzustellen: Nun sollen 330.000 Tiere innerhalb von 42 Tagen auf jeweils 2,6 KG gepäppelt werden. Für die Anlage bedeutet das in der Summe eine Vergrößerung um ein Viertel, da sich das Tiergewicht entsprechend erhöht.

Die Anlage hätte massive Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. Sie befindet sich nur 1,5 km vom Dranser See entfernt, welcher wegen seines geringen Nährstoffgehalts zu den ökologisch besonders wertvollen Klarwasserseen zählt. Ohnehin liegen 50% der Brandenburger Klarwasserseen in der Hauptwindrichtung der bestehenden und geplanten Hähnchenmastanlagen rund um Wittstock. Auch andere Gefahren werden bei Bauvorhaben wie diesem regelmäßig unterschätzt: Allergische Erkrankungen durch Milbenkot, Streu und Stäube, Ausbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien (MRSA), Biotoxin und Aerosole in der Abluft oder im als Wirtschaftsdünger ausgebrachten Tierkot.

Rund um Wittstock bestehen bereits gigantische Hähnchenmastanlagen. Allein die Anlagen “Jabel” und “Schwarz” haben zusammen 800.000 Hähnchenmastplätze. Die Anlagen in Alt Daber (450.000 Tiere) und Gumtow (400.000 Tiere) konnten verhindert werden. In Könkendorf (324.000 Tiere) und Groß Haßlow (330.000 Tiere) stehen weitere Anlagen bevor. Die Bürgerinitiative “Wittstock Contra Industriehuhn” hatte sich 2013 gegründet, um Massentierhaltung in der Region Wittstock Einhalt gebieten zu können. Sie konnte bereits durch massiven Druck von Bürgerinnen und Bürgern die geplante Anlage in Alt Dabern mit 450.000 Hähnchen verhindern.

Die Kampagne “Stoppt den Megastall!” wird in den kommenden Monaten ein Monitoring über die Massentierhaltung in Brandenburg aufbauen und über aktuelle Bauvorhaben und den Widerstand gegen Megaställe berichten. Sie macht den Einzelfall landesweit bekannt und mobilisiert die durch das Volksbegehren gegen Massentierhaltung sensibilisierte Öffentlichkeit für eine Unterstützung der einzelnen Bürgerinitiativen. Sie strebt eine Vernetzung einzelner Bürgerinitiativen an und sorgt für einen Wissenstransfer rund um die erfolgreiche Verhinderung von Massentierhaltungsanlagen. Ebenso wirbt sie für die von den Bürgerinitiativen oder den Umweltverbänden eingerichteten Feuerwehrtöpfe zur Begleichung der Gerichts- und Anwaltskosten.

Kontakt zur Bürgerinitiative: www.industriehuhn.de

Pressemitteilung des NABU Brandenburg